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Warum gerade Anusara Yoga?

Meine allererste Anusara-Yoga Stunde habe ich zu Hause im Wohnzimmer gemacht, mit Yogaeasy.de und sie hiess „Magic happens“. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass mit meinem Körper dabei magische Dinge passierten: Meine Hände kribbelten ganz erwartungsvoll und lebendig, meine Schultern, die sonst immer nach vorne geneigt waren, öffneten sich und machten meinem Herz mehr Platz, und vor allem hatte ich unglaublich gute Laune. Sofort machte ich mich auf die Suche nach einer Yogalehrerin in meiner Nähe, die mir diesen wunderbaren Stil beibringen konnte.

 

Hinter der Magie - sehr viel Technik und eine dunkle Geschichte

Inzwischen weiss ich, dass meine Finger nur gekribbelt haben, weil ich sie so lange in die Höhe gestreckt habe, dass alles Blut herausgeflossen ist. Ich weiss, dass John Friend, der Erfinder von Anusara seine Guru-Position ausgenutzt und viele seiner Schülerinnen mit falschen Versprechungen verführt hat. Und ich weiss, dass die strikte Ausrichtung der Positionen und die Art und Weise, wie diese angeleitet wird, bei manchen Übenden dazu führt, dass sie starr und verkrampft sind und sich nicht mehr auf ihren natürlichen Bewegungsfluss verlassen.

 

Trotzdem bin ich diesem Stil treu geblieben und er begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Warum?

  1. Nun, zu allererst fühlen sich die Ausrichtungsprinzipien für mich absolut richtig an. Sie sind klar, strukturiert (ja, ich bin ein Mensch, der so etwas schätzt) und doch einfach. Ich muss nicht für jeden Muskel in jeder Asana die richtige Ausrichtung neu erlenen, sondern einfach nur die 5 Ausrichtungsprinzipien überprüfen, wenn ich in eine Haltung gehe. Bleibe ich dort länger, schaue ich zusätzlich, ob ich die Haltung mit den 7 Loops verfeinern kann. Fertig. So einfach kann Yoga sein.
  2. Trotzdem wird Anusara Yoga niemals  langweilig, weil man diese 12 Werkzeuge so unterschiedliche einsetzen kann. Zum Beispiel mal eine sehr starke Praxis machen mit einer Betonung der Muskulären Energie. Eine sehr öffnende Praxis mit Betonung der Schulterloops. In meinen Lieblingsstunden liegt der Fokus darauf, dass man Prinzipien einsetzt, die sich eigentlich widersprechen und versucht diese in Balance zu halten. Gegensätze vereinen. Wie im wahren Leben. Man hält eine Asana länger, bleibt aber niemals ganz still, weil man in unterschiedliche Richtungen pulsiert. Keine Sorge, wenn das jetzt erst einmal seltsam und fremd klingt: Ich werde euch das alles noch erklären und zeigen in meinem Blog.
  3. Mir gefällt sehr, wie die tantrische Philosophie in die Praxis eingewoben wird. Hier bin ich zwar noch keine Expertin, aber ich kann schon so viel verraten: Mit Sexpraktiken hat das sehr wenig zu tun. Das yogische Tantra ist positiv und lebensbejahend und sehr viel weniger strikt und hierarchisch als die Philosophie, die bei anderen Yogastilen unterrichtet wird. Zum Beispiel geht man davon aus, dass man die Stufen des achtgliedrigen Pfads nicht nacheinander und mühsam heraufkraxeln muss, bis ganz oben und auch nur für wenige, die Erleuchtung wartet. Die Stufen liegen in der tantrischen Sichtweise quasi nebeneinander und man kann von einer zur anderen springen. Bestimmt hattet ihr auch schon kleine Momenten in eurem Leben, die sich nach Erleuchtung angefühlt haben – und schon im nächsten Moment, war all die Klarheit, all die Ruhe, wieder verschwunden. Ist es nicht ein wunderschöner Gedanke, dass wir alle schon irgendwie erleuchtet sind, und die Klarheit in uns tragen? Wenn wir mit den anderen Stufen arbeiten, also zum Beispiel Asanapraxis, Pranayama (Atemübungen), Gewaltlosigkeit (Nyama) und Meditation gelingt es uns, die Momente der Erleuchtung zu verlängern. Das ist schon viel. Und klingt trotzdem machbar.

Wer Regeln kennt, darf sie auch brechen

Ich finde, dass Anusara-Yoga eine ganz tolle Basis für die Yogapraxis legt. Ich lerne sehr viel über die gesunde Ausrichtung meines Körpers, ohne dass ich dicke medizinische Schinken wälzen muss. Anusara ist für jeden geeignet, der einen sehr exakten Yogastil sucht, der anstrengend ist, ohne sich nach Fitness anzufühlen. Der einen klaren Rahmen vorgibt, in dem sich aber ein ganz besonderes Gefühl von Freiheit und Freude erst richtig entfalten kann.

 

Und dennoch: Manchmal breche ich mit den Anusara Prinzipien. Es ist ein bisschen, wie wenn man einen Roman schreibt: Man muss die Regeln für eine gute Geschichte beherrschen, um bewusst mit ihnen brechen zu können. An manchen Tagen oder auch zu Beginn der Praxis, bevorzuge ich beispielsweise sehr fliessende Bewegungen, in denen ich die Ausrichtungsprinzipien kaum beachte.

 

Und ich schätze es sehr, wenn meine Lehrerin Salome Noah mich den Arm plötzlich umdrehen oder das Bein in eine ungewohnte Richtung setzen lässt. Plötzlich spüre ich ganz andere Muskeln und Sehnen und Bänder und staune, was da noch so alles ist.

 

Kennt ihr Anusara-Yoga? Was gefällt euch daran? Was lasst ihr lieber aussen vor?

 

Ich bin sehr gespannt, wie sich meine Vorliebe für diesen Stil im Laufe meiner Ausbildung entwickelt.

 

 

It’s a constant journey. Eure Bianca mit Sukhi


Wollt ihr Anusara-Yoga einfach mal ausprobieren? Hier gibt es eine wunderbare kurze Lektion von Christina Lobe, bei der ich derzeit meine Ausbildung mache. Viel Freude dabei!

 

Und wenn ihr eine Lehrerin oder einen Lehrer in eurer Nähe sucht, die Anusara unterrichten, könnt ihr in der Teacher Directory nachschlagen.

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