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Open to Grace - das erste Anusara-Prinzip

"Open to Grace ist das, was Yoga von Gymnastik unterscheidet." Dieser Satz meiner Yogalehrerin Christina Lobe in der ersten Anusara-Immersion steht in meinen Notizen und ich habe ihn dreimal umrahmt, weil er für mich so stimmig ist.

 

Ich habe mich gerade zu Beginn einer Yogapraxis oft gefragt, warum ich mich so viel besser fühle nach dem Yoga als nach einer Stunde Sport zum Beispiel. Und erfahren, dass Yoga für mich sogar noch besser wirkt, seit ich mich darauf eingelassen habe, ja sogar ein Stück weit erwarte, dass etwas mit mir passiert. Etwas, dass sich nur unheimlich schwer in Worte fassen lässt. Und noch schwerer in deutsche Worte. Grace eben. Aber der Reihe nach.

Die 5 universellen Prinzipien des Anusara-Yoga

Anusara-Yoga zeichnet sich durch fünf Ausrichtungs-Prinzipien aus. Universell heißt, dass diese in jeder Asana, aber auch außerhalb der Matte angewendet werden können. Die Prinzipien sind oft Gegenspieler und die Idee ist, dass man zwischen ihnen hin und her pulsiert, bis man seine ideale Balance gefunden hat - in der Asana und (für Fortgeschrittene) eben auch im Leben. Die Prinzipien möchte ich hier als eine kleine Serie vorstellen.

  1. Open to Grace (heutiger Beitrag)
  2. Muskuläre Energie
  3. Innere Spirale
  4. Äußere Spirale
  5. Organische Energie

1. Open to what? Die geistige Ausrichtung

Da geht das Problem mit der Sprache schon los. Anusara stammt ja auch den USA und bei manchen Worten tut man tatsächlich gut daran, sie nicht übersetzen zu wollen. Denn wörtlich übersetzt heißt Open to Grace: sich der Gnade öffnen. Hm. Gnade hängt in der deutschen Sprache viel zu eng mit Bestrafung zusammen. Gehe ich auf die Matte, weil ich begnadigt werden möchte? Wohl kaum. Andere Übersetzungen sind schöner, aber auch wenig hilfreich: Anmut, Grazie, Gunst.

 

Häufig wird das Prinzip übersetzt mit "sich dem Höheren oder auch dem Göttlichen öffnen". Wer ein Problem mit dieser spirituellen Vorstellung hat - und das sind wohl die meisten Yoga-Anfänger in der westlichen Welt - der kann den oben genannten Satz zur Hilfe nehmen und sich sagen: "Ich bin offen für eine neue Erfahrung." Oder, wie es mir in vielen Yogastunden schon begegnet ist: "Ich lasse den Alltag draußen und lasse mich voll auf diese Praxis ein." Oder eben auch: "Ich bin bereit zu fühlen, dass dies hier mehr als Gymnastik ist."

2. Die körperliche Ausrichtung

Die körperliche Ausrichtung unterstützt die geistige. Und sie fängt damit an, dass wir die Basis spüren und gut auf dem Boden verankern. Also wir spüren, welche Teile unseres Körpers den Boden berühren und erden diese Punkte ganz bewusst und gleichmäßig. Das gibt uns die Stabilität, um uns aufzurichten.

 

Und diese Aufrichtung dann auch wirklich zu spüren, gibt es vier Unterprinzipien:

1. Side Body long: den Oberkörper aufrichten, den Abstand zwischen Achselhöhlen und äußerer Hüfte vergrößern

2. Inner Body bright: Den Körper mit Atem füllen, sein inneres Strahlen anknipsen (gerne auch mit Hilfe eines äußerlich sichtbaren Lächelns)

3. Outer Body Soft: Die Haut durchlässig werden lassen, sich mit seiner Umgebung verbinden, damit diese das Strahlen auch sieht und spürt

4. Melt the Heart: Der schwierigste Schritt: Das Herz weich werden lassen - denn nur so sind wir wirklich bereit, Großes zu erfahren und neue Erfahrungen zu machen.

 

Ganz einfach, oder? Nein? Dann hier ein konkretes Beispiel. Angeleitet in meinen Worten - auf der Suche nach meiner eigenen Anusara-Sprache :-)

Tadasana (Berghaltung) mit Schwerpunkt auf Opening to Grace

Wird es mit der Anleitung etwas klarer? Könnt ihr es spüren?

Und für alle Anusara-Yoginis und Yogis: Was fehlt euch noch oder was könnte ich noch besser anleiten? Ich freue mich auf euer Feedback.

 

Namaste und Wuff, Bianca und Sukhi


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Ergänzung:

 

Julia Schlenkert von Happy Yoga hat mir das Feedback gegeben, dass ich Open to grace hier sehr passiv inerpretiert habe. Sie schreibt in der Facebookgruppe Anusara Germany:

 

"Ich verstehe es als eine bewusste und aktive Entscheidung, mich auf der Matte/in der Welt zu platzieren und alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen."

 

Das finde ich enorm spannend, da ich das Prinzip bisher tatsächlich auch eher passiv begriffen habe, als ein "geschehen lassen". Ich werde das auf jeden Fall in meine Praxis mit aufnehmen und schauen, wie sie sich dadurch verändert. Vielen herzlichen Dank fürs Feedback!

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