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No more sugar - no more?

Kein Zucker mehr - nie wieder?

Zu viel Zucker ist ungesund - da erzähle ich euch wohl nichts Neues. Und bestimmt habt ihr auch schon gehört, dass unser Zuckerkonsum viel zu hoch ist, er liegt weit über der von der WHO empfohlenen sechs Teelöffeln pro Tag. Nicht nur, weil wir gerne Süßigkeiten essen, sondern vor allem auch, wegen der vielen versteckten Zucker in Saucen, Säften, Joghurts, Müslis und an vielen anderen Orten. Und leider ist Fruchtzucker auch keine gute Alternative.

Wo ich zu Beginn stand

Dass Zucker süchtig machen kann, dafür bin ich selbst das beste Beispiel. Wenn ich nach dem Essen nichts Süßes bekomme, werde ich nervös. Ja, ich habe schon verzweifelt Regale durchforstet und die Schokostücke aus Müslis herausgenascht, wenn so gar kein Nachtisch greifbar war. Und der "Nachtisch vom Nachtisch" war bei mir zu Hause keine Seltenheit. Und der Satz, dass ein Stück Kuchen zu süß sei, hat bei mir nur verständnisloses Kopfschütteln ausgelöst. Kuchen sollte doch süß sein - wovon sprachen diese Menschen nur? Inzwischen verstehe ich es, weil ich sogar gegrillte Paprika und Karotten plötzlich als süß empfinde. Zuckerentzug sei Dank.

Das Programm: Zuckerfrei glücklich in acht Wochen

Das Programm aus dem Buch "Goodbye Zucker - zuckerfrei glücklich in acht Wochen" mache ich nun schon zum zweiten Mal. Das erste Mal war kurz vor Weihnachten 2016 - und nach sieben Wochen ohne Plätzchen und Glühweihn habe ich am Heiligabend abgebrochen - bewusst und genussvoll. Eine ganze Weile noch waren mir daraufhin Süßigkeiten zu süß und ich habe auf jeder Packung den Zuckergehalt kontrolliert. Aber dann geriet all das wieder aus dem Blick und ich rutschte zurück in dieselbe Zuckersucht wie zuvor. 

 

Beim zweiten Versuch aber war ich nicht allein, sondern zog das Programm zusammen mit meiner Tante durch - bis zum Schluß. Und so ist es gelaufen:

 

Die ersten zwei Wochen sind gut machbar - man reduziert den Zuckerkonsum und lässt Süßigkeiten und süße Getränke (inklusive Saft) weg. Ich bin in der Zeit auf Früchte und einige Trockenfrüchte ausgewichen. Und auch wenn ich immer wieder um den Korb herumschlich, in dem bisher die Schokolade lag, waren die Entzugserscheinungen zu ertragen.

 

Ab Woche 3 aber kommt es knüppelhart: Obst wird auch gestrichen, Trockenobst sowieso und alles, was mehr als 6 Gramm Zucker auf 100 Gramm enthält. Komplett. Ich kreise wie ein Tiger in Gefangenschaft durch die Wohnung, jammere vor mich hin, trinke literweise Tee und schmiere 100prozentigen Kakao auf Kokosöl, um mir selbst Schokolade vorzutäuschen. Ich bin müde, habe Nierenschmerzen und Kopfweh. Entgiftung pur. Und das soll ich durchhalten bis zur Woche 6?

 

Ab Woche 4 sagen mir andere, dass ich wirklich nicht gut aussehe und ich fühle mich von Tag zu Tag schwächer. Also entscheide ich mich in Woche 5 doch wieder ein bisschen Obst mit ins Programm zu nehmen. In der letzten Woche ohne Obst gönne ich mir eben doch: einen Apfel und eine Kiwi - und fühle mich augenblicklich besser. Ich hege grosse Zweifel. Vielleicht ist das Programm einfach nichts für mich? Vielleicht brauche ich einfach mehr Energie als andere Menschen? Vielleicht ist auch die Jahreszeit ungeschickt?

Kokosflocken, Kokosöl, Kakao und Himbeeren - fertig ist der selbstgemachte zuckerfreie "Kuchen".
Kokosflocken, Kokosöl, Kakao und Himbeeren - fertig ist der selbstgemachte zuckerfreie "Kuchen".

Ab Woche 6 sind bestimmte Obstsorten wieder erlaubt und man kann mit den im Buch ebenfalls vorhandenen Süßigkeiten-Rezepten spielen. Das macht alles etwas leichter. Trotzdem fiebere ich dem Tag entgegen, an dem die acht Wochen offiziell beendet sind und erzähle allen, die es hören wollen, voller Vorfreude: "Ich bin in Paris an dem Tag und werde mir das leckerste Teilchen der besten Patisserie aussuchen." Meine Tante erinnert mich daran, dass es "zuckerfrei IN acht Wochen" heisst und nicht "für exakt acht Wochen" - aber das ist mir sowas von egal...

Das Fastenbrechen

Ich stehe gefühlte 10 Minuten vor der Auslage einer Edel-Patisserie in Paris und kann mich einfach nicht entscheiden, womit ich diesen feierlichen Moment feiern möchte. Dann wird es ein Mille Feuille - knackiger, salzige Blätterteig und dazwischen eine paradische Vanillecreme. Eine gute Wahl, wie ich merke, als ich das Nougat-Küchlein vom Mann probiere. Das wäre mir doch tatsächlich zu süß. Ich aber schmelze dahin vom ersten bis zum letzten Bissen - dieses Teil ist mit Sicherheit das BESTE, was ich JEMALS gegessen habe.

 

Kaum hab ich mein göttliches süßes Stück verputzt, ist mir schlecht - und auch sechs Stunden später  bin ich noch immer pappsatt.

 

An den kommenden Tagen in Paris bleibe ich bei meinem zuckerfreien Frühstück (was in Frankreich gar nicht so einfach ist) und höre mich tatsächlich "nein, danke" sagen, als der Mann fragt, ob ich nach dem Abendessen noch ein Dessert möchte. Gleichzeitig wähle ich mir im La Fayette ein paar Mini Eclairs für die Heimfahrt, die jeden Bissen absolut wert sind. (siehe Bild ganz oben) Diese Freiheit Zucker essen zu können aber nicht zu müssen, fühlt sich fantastisch an und ich würde sie so gerne erhalten.

Fastenbrechen mit dem Mille Feuille in Paris.
Fastenbrechen mit dem Mille Feuille in Paris.

Und wie weiter?

Wie kann ich mir diese Freiheit erhalten? Vermutlich nur, indem ich meinen Zuckerkonsum weiterhin stark unter Kontrolle halte. Also versuche ich für mich selbst Regeln zu finden, an die ich mich halten kann. Nicht zu streng, so dass sie machbar bleiben. Nicht zu lasch, weil ich sonst sofort wieder in meine alten Konsumgewohnheiten zurückfalle. Ich kämpfe mit denselben Problemen, mit denen wohl jeder Süchtige und jede Süchtige zu kämpfen hat. Nur, dass man meinem Suchtmittel fast nicht aus dem Weg gehen kann.

 

Ideen für Zuckerregeln:

  • Mein Frühstück bleibt zuckerfrei.
  • Obstsäfte trinke ich nur in Ausnahmefällen und nur als Schorle.
  • Industrie-Süßigkeiten und Limonaden sind tabu.
  • Obst: nicht mehr als 2 Portionen pro Tag.
  • Wenn ich selbst etwas Süßes herstelle nutze ich wenig Zucker und keinen weißen Zucker, sondern nur Reissirup oder Honig.
  • Fertigsossen mit hohem Zuckergehalt meide ich, wann immer möglich.
  • Wenn jemand aber einen Kuchen oder ähnliches selbst gemacht hat, frage ich nicht nach der Zuckerart, sondern gönne mir ein Stück - denn ich glaube, dass die Liebe, die hier im Teig oder der Creme steckt, den ungesunden Zucker ein Stück ausgleichen können.
  • 99-prozentige Schokolade darf ich immer essen.

Habt ihr weitere Ideen? Wie bekommt ihr euren Zuckerkonsum unter Kontrolle? Ich würde mich über eure Tipps in den Kommentaren sehr freuen.

 

Wuff und Namaste, Bianca mit Sukhi

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgit (Samstag, 10 März 2018 17:02)

    Tapfer, Bianca! Für mich persönlich ( noch?) keine Option... es geht doch nichts über ein gutes Stück Schoggi ,Gummibärchen, und besonders Obst � Ich möchte nicht auf die Aromenexplosionen von Himbeeren, Erdbeeren oder Äpfeln aus eigenem Anbau und zu seiner Zeit verzichten..... - Geschenke der wunderbaren Mutter Natur die ich gerne annehme.